"Döner-Morde" verharmlost Verbrechen
18.01.2012
Pfarrerin Ilona Klemens zum Unwort des Jahres
„Döner-Morde“ ist das Unwort des Jahres 2012. Das hat die Jury der „Sprachkritischen Aktion“ gestern in Darmstadt bekanntgegeben. Die Jury kritisiert den Begriff „Döner-Morde“ für die Mordserie einer rechtsextremen Terrorgruppe als unangemessen und verharmlosend. Die zehn Opfer würden „aufgrund ihrer Herkunft auf ein Imbissgericht reduziert“.
Pfarrerin Ilona Klemens (Foto), Pfarrerin für interreligiösen Dialog und Geschäftsführerin des Rates der Religionen in Frankfurt, begrüßt die Entscheidung der Jury: Der Begriff „Döner-Morde“ verniedliche und verharmlose die rassistisch motivierten Verbrechen und mache die Opfer mit dem Bild vom Imbissstand zu „den anderen“, die nicht „zu uns“ gehörten. Sie verdeutlicht: „Zudem werden sie quasi unsichtbar gemacht: Die Taten richteten sich schließlich nicht gegen ein Mittagsgericht sondern gegen Menschen!“
Sie betont, welche Bedeutung Sprache im Umgang mit Menschen habe: „Sprache ist verräterisch, sie ist Ausdruck von Ausgrenzungsmechanismen, die sich in Haltungen und Handlungen fortsetzen.“ Die Religionsexpertin erklärt, dass Soziologen seit Jahren darauf aufmerksam machen, dass eine Ideologie der Ungleichheit und Ungleichwertigkeit der Menschen in der Mitte der Gesellschaft angekommen sei und längst kein Phänomen am rechten Rand mehr darstelle. „Sie trifft sozial Schwache wie auch kulturelle und religiöse Minderheiten, die zu ewig Fremden erklärt werden“, so die Pfarrerin. Sie fordert, diese Entwicklung als Gefahr für Demokratie und Frieden ernst zu nehmen.
Quelle: ekhn.de
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